Gehirnforschung, Lernen und die KroKi-Gruppe

12.06.2019

Vor kurzem fiel mir das österreichische Familienmagazin "hello familiii" mit der April-Ausgabe in die Hand. Schon auf den ersten Seiten fand ich einen Artikel über "Das Geheimnis des Lernens", der mich als Mama von schulpflichtigen Kindern grundsätzlich interessiert - im Fall dieses Artikels jedoch gleichermaßen faszinierte und erfreute. Denn was in diesem Artikel über den Zusammenhang zwischen Neurobiologie und Pädagogik geschrieben steht, konnte ich in diesem Schuljahr in der KroKi-Lerngruppe bereits als Realität im "Schulalltag" erleben.

Die Autorin des Artikels, Marlene Mayer, und Neurowissenschaftler Manfred Spitzer schreiben sehr ausdrucksstark, wie Lernen gestaltet werden kann, um Wissen im Gedächnis wirklich nachhaltig zu verankern.

Dabei geht es immer darum Neugier, Spaß und Lust am Lernen bei den Kindern zu wecken und zu erhalten, dann werden auch Informationen aus dem Unterricht verstanden und gespeichert.

Als "[...] grobe Eckpfeiler, auf die sich im Grunde alle Wissenschaftler einigen können" (S. 16) nennt die Autorin Praxisbeispiele, die im KroKi-Haus ganz natürlich gelebt werden:

Gelernt wird durch Erlebnisse. Mathematik zum Angreifen, Buchstaben und Wörter aus verschiedensten Materialien, Experimente, Basteln und vor allem auch - raus in die Natur zum Fühlen und Begreifen.

Unterricht in Kleingruppen, der es jeder Schülerin und jedem Schüler ermöglicht, beim Lernen individuell begleitet zu werden und Zeit zur Beantwortung aller auftretenden Fragen lässt.

Altersdurchmischung. Denn, so Manfred Spitzer "Wenn ältere Kinder jüngeren etwas beibringen, lernen die Älteren mindestens so viel wie die Jüngeren". (S14) Diese Erkenntnis haben wir in diesem ersten Schuljahr in der KroKi-Lerngruppe bereits bestätigt gefunden. Wie selbstverständlich wurden die Schülerinnen der 4. Klasse zu Mentorinnen für die Vorschülerin und 1. Klässlerin.

Spielen als Fixpunkt im Lernalltag ist ebenfalls eine solche wissenschaftlich fundierte Erkenntnis, die sich jedoch in den Köpfen von uns Eltern wohl erst festigen muss. Denn spielen scheint uns - im Gegensatz zum gezielten Schreiben und Rechnen - oft noch als unproduktiv und etwas, das höchstens nach der Schule zuhause oder am Wochenende erlaubt ist. Dabei ist das Spiel nicht nur notwendige Erholung sondern auch immer Lernen. Ob Wortschatz, Sozialkompetenz, spannende Fakten oder der Umgang mit Emotionen, die möglichen Lerneffekte eines Spieles sind vielfältig und kaum messbar.

Eine "Umgebung die anregt, statt einzuschüchtern" (S. 14) wird im Artikel ebenfalls hervorgehoben. Hier denke ich an helle, freundliche Räume und die Mitgestaltung dieser durch unsere SchülerInnen. Besonders habe ich bei diesem Punkt jedoch an die Schultafel denken müssen. Mir persönlich (und vermittelt durch Filme und Geschichten) schien sie bisher als große, grüne Drohung - im besten Fall von der Lehrerin verwendet um Aufträge an die Klasse zu kommunizieren, schlimmstensfalls jedoch als Schauplatz angstschweißtreibender Wissensprüfung vor der gesamten Klasse. Aber auch hier erlebe ich in der KroKi-Lerngruppe eine völlig andere Wahrnehmung der Schultafel. Die Kinder schreiben wie selbstverständlich an der Tafel, gehen unvoreingenommen an diese Aufgabe und haben dabei keine Angst vor negativen Konsequenzen.


Das alles zusammen sorgt dafür, das Lernen durch echtes Erleben erfolgt. Und das wiederum schüttet zum Beispiel das Glückshormon Dopamin aus, das nicht nur - wie der Name schon sagt - glücklich macht, sondern auch die Gedächnisleistung steigert.


Eine Win-Win-Win-Situation, wie es so schön englisch heißt. Unsere Kinder lernen gerne und nachhaltig fürs Leben (gewonnen!), die KroKi-Lerngruppe hat die Erkenntnisse von Gehirnforschung und Pädagogik erfolgreich vereint (gewonnen!) und wir Eltern haben dabei ebenfalls gewonnen - jede Familie individuell etwas anderes für sich (gewonnen!).


Quelle: Mayer, Marlene: "Das Geheimnis des Lernens" in: "hello familiii", April 2019, Seiten 12-16